Nachruf Walter Stern

1924-2022

Walter Stern – zu Lebzeiten Antifaschist, Gewerkschafter, Humanist und Buchautor („Das Überleben hat gelohnt“, erschienen 2008)
bei der Lesung aus seinem Buch 2009 im Bezirksmuseum Hietzing.

Am 6. Oktober ist Walter Stern, ein hochgeachteter Antifaschist, Gewerkschafter und Humanist, im 99. Lebensjahr verstorben. Geboren 1924 als Kind jüdischer Eltern, wuchs er in bescheidenen Verhältnissen auf und war schon als Kind der Arbeiterbewegung verbunden. Der „Anschluss“ 1938 und der Nazi-Terror, dem seine beiden Eltern zum Opfer fielen, war eine Zäsur in seinem Leben. 1939 gelang ihm die Flucht nach Palästina, und noch während des Zweiten Weltkriegs schloss er sich der britischen und danach der US-Armee an, um gegen Hitler zu kämpfen. Nach Österreich zurückgekehrt, spürte er versteckte Nazis auf und wurde Betriebsrat bei der Firma Goerz. Seine jahrzehntelange Tätigkeit als Gewerkschafter ist legendär, sein Lebensmotto war „Wo es Starke gibt, auf Seiten der Schwachen, wo es Ausbeuter gibt, auf Seiten der Ausgebeuteten“. Nach der Niederschlagung des „Prager Frühlings“ verließ er die KPÖ, blieb aber auch danach politisch engagiert. Er wohnte mit seiner Frau Elfriede in Ober St. Veit, in Erinnerung ist uns eine Lesung, die Walter 2009 für die Hietzinger Grünen im Bezirksmuseum aus seinem Buch „Das Überleben hat gelohnt“ hielt. Die Verabschiedung fand am 9. Oktober auf dem jüdischen Teil des Zentralfriedhofs statt. Walter Stern hat viele von uns durch sein langes und bis zuletzt selbstbestimmtes Leben inspiriert und bereichert.

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