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am 12. September

Wie funktioniert Sprache in der Politik? Was sind die Narrative und Frames der Grünen?

Lore Brandl-Berger - In Wahlkampfzeiten versuchen die wahlwerbenden Parteien mithilfe von sprachlichen Botschaften und Bildern möglichst viele WählerInnen von sich zu überzeugen. Die „Grüne Sommerakademie“ von 24. – 27. August 2017 in Tainach, Kärnten, widmete sich dem Thema „Sprache und Macht“, wozu die Grüne Bildungswerkstatt im Vorfeld eine Broschüre erarbeitet hat, die den gleichen Titel trägt.

„Sachfragen sind zweitrangig. Sie sind nicht unbedeutend oder unwichtig, aber sie sind zweitrangig.“ Diese provozierende Aussage des Linguisten George Lakoff 1 zitiert Robert Misik in seinem Artikel „Hat wer ein Narrativ übrig?“ in der genannten Broschüre.  Ausgehend von Lakoff führt Misik aus, dass nicht nur die Werbung ihre Narrative, ihre Geschichten, hat, sondern auch die Politik. Die Narrative der rechten und linken Parteien seien einander strukturell nicht unähnlich, denn es gehe oft darum, benachteiligte BürgerInnen - den „kleinen Mann“, die „kleine Frau“ oder die einfachen, ausgebeuteten ArbeiterInnen – im Kampf um ihre Rechte gegenüber den manchmal korrupten Mächtigen zu unterstützen. „Links“ und „rechts“ unterscheiden sich aber durch das „wir“ und „die anderen“, durch Muster und Werte in Politik und Gesellschaft. Solchen Narrativen mit rationalen Argumenten zu begegnen sei meist vergebene Mühe. Lakoff meint aber, dass es für gute Argumente immer auch Geschichten gibt, in denen die „Werte, Grundsätze, Meinungen, Statistiken“ verwandelt enthalten sind und angenommen werden können.

Ein Schlüsselwort von Lakoff, das mittlerweile in allen Werbeagenturen eine wichtige Rolle spielt, ist Frame, Rahmen, auch Denkmuster, Deutungsmuster. Wir alle sind beim Aufnehmen von Botschaften vorgeprägt von Tradition, Bildung und Erfahrung und strengen uns ungern an, um einen anderen Rahmen auszuprobieren. Wir hören oft nur das, was wir hören wollen. Politische Parteien passen das Frame ihren Zielgruppen an. Es macht einen Unterschied, ob PolitikerInnen „Gesamtschule“ sagen oder „gemeinsame Schule von 6 – 14“, ob wir „Flüchtlingswelle“ (bedrohlich) sagen oder „viele Flüchtlinge aus Kriegsgebieten“, ob wir von „Klimawandel“ (verharmlosend) oder von „Klimakrise“ sprechen, ob von „Steuerlast“ oder „Steuerbeitrag. Die Identitären verwenden den Begriff „Remigration“ statt „Abschiebung“.

Was sind nun die Frames der Grünen?  „Smart City“ ist eine lebenswerte Stadt mit guter Infrastruktur, viel Grün, dichtem Öffisnetz, Carsharing, Nutzung des öffentlichen Raums als Begegnungszone, Kulturstätten, Wahrung des kulturellen Erbes. Nachhaltiges, ökologisches Wirtschaften unter Einhaltung der Klimaziele wird dem Dogma vom Wirtschaftswachstum entgegengesetzt. Solidarität und gerechte Ressourcenverteilung, Gleichstellung von Frauen und Männern, gewaltfreie Lösungen durch Bildung und Dialog sind weitere wichtige Ziele. Geschichten dazu sind zum Beispiel die umgestaltete Mariahilferstraße, die heute nicht nur Einkaufsstraße, sondern auch Begegnungsraum für WienerInnen und Gäste ist, und die Öffis-Jahreskarte um € 365, die über Erwarten von den BürgerInnen angenommen wurde. Auch die neu geschaffenen Wiener Radwege gehören zum Narrativ der Smart City.

Die Broschüre „Sprache und Macht“ mit weiteren, hier nicht erwähnten Texten und Interpretationen von Wahlplakaten ab 1949 ist bei unseren Informationsständen frei erhältlich.​​