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am 30. September

Die Bedeutung Grüner Politik im Finanzmarkt

- Grüne Politik im Finanzmarkt. Dies ist kein Widerspruch. Im Gegenteil. Es braucht sie!


Die Grünen in Europa & nachhaltige Finanzmärkte


Die Grüne Fraktion im Europäischen Parlament setzt sich seit Jahren für nachhaltige Finanzmärkte ein. Dabei fordern sie eine Stabilisierung des Finanzsystems, eine Umorientierung des Systems hin zur Langfristigkeit sowie eine Neuorientierung von Investition mit dem Fokus auf nachhaltige Investitionen. Seit dem Jahr 2018 lassen sich auch erste positive Tendenzen erkennen. In diesem Jahr veröffentlichte die Europäische Kommission in Zusammenarbeit mit der High-Level Expert Group (HLEG) erstmals einen „Action Plan for Sustainable Finance“. Das Ziel des Aktionsplanes sind im Einklang mit den Zielen des Pariser Klimaabkommens. An erste Stelle sollen sie die Investitionslücke von 180 Millionen € schließen, die notwendig sind um die Europäischen Klimaziele und Energieziele bis 2030 zu erreichen. Diese Ziele sind eine 40 prozentige Reduktion von Treibhausgasemissionen im Vergleich zu den Werten aus dem Jahr 1990, eine 27 prozentige Erhöhung von erneuerbaren Energieformen im Energieverbrauch sowie eine 30 prozentige Erhöhung in der Energieeinsparung im Vergleich zum „business-as-usual“ Szenario. Die konkreten Maßnahmen des Planes sind eine einheitliche Klassifikation für nachhaltige Investitionen, verbesserte Offenlegungsanforderungen für Nachhaltigkeitsfaktoren (enviromental, social und govnernance (ESG) factors) in Investitionen sowie die Einführung neuer, nachhaltiger Vergleichsindexe für nachhaltige Investitionen im Finanzmarkt. Während die konkrete Umsetzung der Klassifikationsregelungen sowie die Vergleichsindexe im Europäischen Parlament noch ausverhandelt werden, wurde die verbesserten Offenlegungsregelungen für institutionelle Investoren im März 2019 vom Europäischen Parlament verabschiedet und treten im kommenden Jahr in Kraft.

Die Diskussion zu dem Thema des „grünen“ Finanzwesens nimmt nicht nur in der Gesetzgebung sondern auch in der Privatwirtschaft Fahrt auf. Einige sprechen sogar vom Jahr 2019 als das Jahr in dem „ESG“ Investitionen vom Außenseiter zum Hauptakteur im Finanzmarkt werden. Neue Studien zeigen, dass dieser Trend vor allem mit der potenziellen Gefährdung der Reputation von Investoren durch die Nicht-Inklusion von „ESG“ Faktoren zusammenhängt. Allgemein gelten Reputationsmotive als wichtiger Faktor in der Investitionsentscheidung von Investoren, allen voran auch aufgrund von Herdenverhalten aus Reputationsgründen (im Englischen: reputational herding). 

Der Einfluss von Herdenverhalten auf Investoren


Die Auswirkungen von Herdenverhalten auf Investoren und deren Investitionsentscheidung basiert auf den Theorien der Verhaltensökonomie, die zeigt, dass der Markt meist nicht nach der Effizienzmarkthypothese funktioniert sondern seine Akteure von psychologischen und sozialen Aspekten beeinflusst werden. Bei den sozialen Faktoren spielt vor allem das Herdenverhalten eine große Rolle. Dabei folgen Akteure dem Verhalten der Gruppe ungeachtet ihrer eigenen Informationsgrundlage. Der Antreiber ist dabei oftmals der Schutz der eigenen Reputation. Studien haben gezeigt, dass Investoren es bevorzugen gemeinsam zu versagen anstatt als “Außenseiter” zu gewinnen. Der Grund dafür ist, dass die negative Auswirkungen einer nachteiligen Investitionsentscheidung auf die Reputation niedriger sind wenn andere dieselbe nachteilige Entscheidung treffen. Das Herdenverhalten aus Reputationsgründen ist vor allem bei mainstream-Investitionen zu beobachten.

Im Rahmen einer Masterarbeit Socio-Ecological Ecnomics and Policy an der Wirtschaftsuniversität Wien wurde anhand einer Online-Umfrage analysiert, welche Auswirkungen ein Herdenverhalten aus Reputationsgründen auf die Inklusion von ESG-Faktoren von europäischen institutionellen Investoren sowie auf deren Bereitschaft zur Implementierung der neuen Offenlegungsregelung hat. Dafür wurden institutionelle Investoren aus verschiedenen europäischen Ländern, Altersklassen, Vermögenswerten und Einstellungen gegenüber dem Thema befragt. 

Der Einfluss von „reputational herding“ auf „ESG“ Investitionen


Die ausgewerteten Daten zeigen, dass Herdenverhalten im Zusammenhang mit ESG Investitionen von einem Großteil der Befragten im Finanzmarkt wahrgenommen wird. Dieses ist zumindest teilweise durch Reputationsgründe ausgelöst. Die hohe Relevanz von Reputationsrisiken im Zusammenhang mit ESG Investitionen unter Investoren, die bereits zu einem hohen Grad in „ESG“ investieren sowie jene die kaum „ESG“ Investitionen halten, untermauern dieses Ergebnis. Dabei vertrauen Investoren in ihrer Investitionsentscheidung eher auf das kollektive Verhalten anderer im Finanzmarkt sowie auf die Meinung von KollegInnen als auf fundamentale Fakten zu „ESG“ Investitionen. Dies ist ein typisches Merkmal bei Herdenverhalten von Investoren. Hinsichtlich des Zeithorizonts der mit Herdenverhalten einhergeht, konnten überraschende Ergebnisse gefunden werden. Obwohl es sich gezeigt hat, dass Herdenverhalten oftmals mit einem kurzen Investitionshorizont einhergeht, ist dies im Fall von ESG Investitionen anders. Dabei fördert Herdenverhalten die Verlängerung des Horizonts hin zu zur Langfristigkeit. Aufgrund der grundsätzlich langfristigen Orientierung von „ESG“ Investitionen ist es leicht vorstellbar, dass eine stärkere Inklusion angetrieben durch Herdenverhalten, auch zu einer Verlängerung des durchschnittlichen Investitionshorizonts führt.  

Die Offenlegungsregelungen der EU


Basierend auf den Ergebnisse der Umfrage, zeigen Investoren eine subjektive Übereinschätzung ihres Wissens in Bezug auf die neuen Regelungen. Während das Bewusstsein zwar da wäre, scheint die Bereitschaft zur Implementierung eher gering. Nur jeder zweite Befragte gab an, die Regelung in Zukunft auch umzusetzen. Die Resultate zeigen, dass Herdenverhalten auch bei der Umsetzung der neuen Regelungen eine Rolle spielt. Nichtsdestotrotz nannte eine große Anzahl an Investoren Unsicherheiten in der Implementierungsbereitschaft. Dabei spielt vor allem die Freiwilligkeit der Regelungen eine entscheidende Rolle. 

Fazit

Die Ergebnisse der Analyse zeigen deutlich, dass ESG Investitionen neben dem politischen Einflussbereich auch im Finanzmarkt am Vormarsch sind und folglich auch mit Reputationsrisiken einhergehen. Herdenverhalten auch aufgrund von Reputationsmotiven spielt eine entscheidende Rolle in der Inklusion von ESG Faktoren in Investitionen von europäischen institutionellen Investoren. Dies sind positive Anzeichen, da dadurch möglicherweise die steigende Tendenz zu nachhaltigen Investitionen durch „natürliche“ Verhaltensweisen am Finanzmarkt verstärkt werden kann. In Bezug auf die politischen Maßnahmen, insbesondere die Offenlegungsregelung, bleibt es offen zu welchem Ausmaß diese auch umgesetzt werden. Auch aufgrund der Freiwilligkeit in der Umsetzung. Dies ist auch einer Kritikpunkte seitens der Grünen Fraktion im Europaparlament. Nachdem eine Nicht-Einhaltung auch nicht sanktioniert wird, zeigt sich die Freiwilligkeit als mögliches Schlupfloch zur Vermeidung von nachhaltigen Investitionen. Eine Offenlegungspflicht für Nachhaltigkeitsfaktoren von Investitionen scheint ein alternativer Ansatz zu sein, den die Grünen seit jeder einfordern.