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am 15. August

Gesundheitsrisiko durch Feinstaub und Lärm sowie andere gesundheitsmedizinische Herausforderungen

Lore Brandl-Berger - Zu diesem Thema sprach Hans Peter Hutter am 15. Jänner 2020 auf Einladung der Bürgerinitiative „BunterLebenHietzing“ im Hietzinger Bezirksmuseum. ​​​

​Hans Peter Hutter hat ein Doppelstudium absolviert: „Landschaftsökologie und Landschaftsgestaltung“ an der Universität für Bodenkultur und Medizin an der Universität Wien. Seit 2005 ist er Facharzt für Hygiene, Mikrobiologie und Umwelt- und Präventivmedizin, 2010 hat er sich mit einer Arbeit über Public Health habilitiert. Seit 2015 ist er Oberarzt im „Zentrum für Public Health“ an der MedUni Wien und leitet dort den Zweig „Child Public Health“, der zur ZPH - Abteilung für Umwelthygiene und Umweltmedizin gehört.

In seinem Vortrag ging Hutter zuerst auf die Ursachen und Auswirkungen der Luftverschmutzung ein. Verursacher seien der Verkehr und die Industrie, wobei sich die Industrie gebessert habe, nicht aber der Verkehr. Besonders problematisch sei der Antrieb mit dem noch immer steuerbegünstigten Diesel, wobei viel feinere Partikel ausgestoßen werden als beim Antrieb mit Benzin.  Diese besonders feinen Partikel gelangen nicht nur in die Lunge, sondern auch in andere Bereiche des Körpers, zum Beispiel ins Gehirn. Dazu kommen radioaktive Emissionen, die dem Körper in seinen allerfeinsten Strukturen Schaden zufügen können. Mechanisch erzeugter Staub und durch Verbrennung entstehende Stoffe setzen dem Körper ebenfalls zu. Wenn der Mensch all diesen Einflüssen schon früh ausgesetzt ist, könne das die Lebenszeit verkürzen (Ergebnis des APHEIS - Projekts). Kinder seien durch ihre geringe Körpergröße besonders gefährdet, da sich am Boden Schadstoffe verdichten. Insgesamt lässt sich sagen, dass in der Nähe von stark befahrenen Straßen (besonders im Umkreis von 150 m) zu wohnen ein Gesundheitsrisiko darstellt. 

Lärm bezeichnet Hutter als unterschätzte Gefahr für die Gesundheit. Dauerhafter Lärm erhöhe das Herzinfarktrisiko (Lärmkarten unter https://www.laerminfo.at/ ). Wichtig sei deshalb, dass Innenhöfe als Ruheoasen erhalten bleiben. Hutter nahm nicht direkt Bezug auf die Situation im Wiental, wo auf Grund des aus dem Westen einströmenden Verkehrs alle in diesem Text genannten Faktoren zur gesundheitlichen Belastung der AnrainerInnen werden. Die Parkraumbewirtschaftung hätte das Gesundheitsrisiko vermindert, aber die HietzingerInnen haben zwei Mal dagegen gestimmt, weil viele BürgerInnen den politischen Aspekt - vielleicht aus Unwissen - dem wichtigeren medizinischen Aspekt vorgezogen haben. Wirklich schade!

Die Klimakrise, unter anderem hervorgerufen durch den Verkehr und die Industrie, führt zu einer erhöhten Belastung des Herz-Kreislauf-Systems, was durch Faktoren wie Alter, schlechten Gesundheitszustand, ungesunde Wohnverhältnisse, niedrigen sozialen Status noch verstärkt wird. Die Hitzetage in den Städten nehmen zu, auch Nächte mit 30°.

Trotz dieser zum Teil durch falsche Politik und nicht nachhaltige Wirtschaft verursachten Situation kann jeder Einzelne etwas für die Umwelt und seine eigene Gesundheit tun. Hutter empfiehlt Erwachsenen, sich mindestens 150 Minuten in der Woche zu bewegen, bei Kindern sollten es 60 Minuten pro Tag sein. Trotz der verkehrsbedingten Abgase soll man Rad fahren, der Nutzen sei größer als der Schaden. Für kurze Strecken sollte man auf das Auto verzichten und zu Fuß gehen oder eben Rad fahren, um die Umwelt zu schonen und seinem Körper etwas Gutes zu tun. Für notwendige Autofahrten sei der Umstieg auf E-Autos nötig, denn seit 1990 haben sich die THG (Treibhausgas) – Emissionen um 67% erhöht. Wir haben nur mehr wenig Zeit, diese gefährliche Entwicklung umzudrehen.

Es wäre wünschenswert, dass Fachleute wie Hans Peter Hutter gehört werden und dass immer mehr Menschen diese gefährliche Lage wahrnehmen und bereit sind zu handeln.